In diesen Tagen hatte ich einen interessanten Traum, der mich zu der Überlegung veranlasst, ob das Leben unterschiedliche Konzepte bereithält und es hier schlicht auf die eigene Entscheidung ankommt? Selbstverständlich ist mir bewusst, dass es so ist. Der Grund meines konkreten Nachdenkens ist der, dass ich durch diesen Traum – vermutlich – bewusst auf zwei Wege aufmerksam gemacht wurde; ich nun also dem Einen zugewandt bin und mir bewusst ist, dass ich hier nun an einer Wegscheide stehe. Dieses Bewusstsein lässt mich innehalten und mich fragen, inwiefern hier mein Verständnis von Wahrhaftigkeit lebbar ist?

Aus kontemplativen Gründen ignoriere ich die Möglichkeit des ‘Zufalls’ und lasse mich ganz auf meine These ein: Es gibt da also Variante A. Variante A beinhaltete hier Wahrhaftigkeit, wie ich sie für mich verstehe. Nun ergab sich in den vergangenen Monaten Variante B, die mir bis zu meinem Traum ebenfalls wahrhaftig erschien. Mein Traum jedoch zeigte mir auf, dass durch Variante B die Wahrhaftigkeit der Variante A, die ich mit dem Erscheinen von Variante B hinter mir ließ, weiterhin Bestand hat. Das lässt folgende Fragen aufkommen: Gibt es nebeneinanderexistierende Wahrhaftigkeit? Kann Wahrhaftigkeit übergeordnet sein; sprich: gibt es Abstufungen von Wahrhaftigkeit? Quasi Wahrhaftigkeit der Klasse A – in aktuellem Falle bedeutete diese Klassifizierung eine Grundlegende, die von dem weiteren Lebensweg nicht berührt werden kann, sowie Wahrhaftigkeit der Klasse B, die hier das ‘praktische Leben’ umfasst? Wenn dem so ist, kann mensch sich dann trotz Bewusstsein auf Klasse B einlassen, ohne sich ‘schuldig’ zu machen?

Interessant hierbei ist, dass ich bereits mehrere Versuche unternahm, Variante B mit Variante A zu konfrontieren, doch jedes Mal wurde es quasi situativ unterwandert, kam nicht dazu. Ebenfalls interessant ist, dass mir bei der Überlegung der Koexistenz beider Varianten jeweils das Gefühl aufkam “Das ist was anderes”. Das ist jetzt sehr platt formuliert, aber genau so kam es in mir auf.

Diese Beobachtung wiederum lässt mich natürlich dazu kommen, über die Unterschiedlichkeit nachzudenken und meine Varianten-These genauer zu betrachten. Soll mensch bewusst sein, dass er zwischen zwei Varianten von Wahrhaftigkeit steht? Soll sich mensch bewusst darauf einlassen, die praktisch lebbare Wahrhaftigkeit zu erwählen? Wider dem Wissen, dass es da die Übergeordnete weiterhin geben wird? Wird die Übergeordnete nicht irgendwann wieder präsent werden und dann eventuell destruktiv auf die bis dahin Gelebte wirken? Macht diese Möglichkeit nicht im Vorhinein ‘schuldig’?

Gestern gab es meinen erneuten und vorerst letzten Versuch der Konfrontation der Varianten, der selbstverständlich wieder unterwandert wurde. Dieses vergebliche Streben meinerseits ließ mich dann umentscheiden und mich erst mal ‘Klärung’ nicht im Austausch mit den Varianten suchen. Wir werden sehen…

06.04.08

Mir war nach all den Tagen nicht mehr bewusst, welches Thema mein letzter Eintrag beinhaltete. Umso erstaunlicher ist es, dass mir kurz nach letztem Eintrag begegnete, was mir darin noch fehlte. Seit dem – ich kann es selbst kaum glauben – verwöhnt mich das Leben mit Lyrik…